Sylke Anne Merbold
 
Jazz & Film
- einige Highlights der Neunziger und des Jahres 2000 -
The main thing a musician would like to do
is to give a picture to the listener
of the many wonderful things
he knows of and senses in the universe.
John Coltrane
Das Jahr 2000 ist ein gutes Jahr für das Dreamteam "Jazz & Film": 

Schon im Februar spielte der Jazz in Der talentierte Mr. Ripley eine nicht unerhebliche Rolle, schließlich ist Dickie Greenleaf (Jude Law) in der Verfilmung nicht wie in Patricia Highsmiths Buch ein Maler, sondern Jazzmusiker. Auf dem Soundtrack sind Jazz-Standards von Charlie Parker,Miles Davis, Dizzy Gillespie, bis hin zu Chet Baker verewigt. 

Am 26.03.2000 darf Wim Wenders für Buena Vista Social Club auf einen Oscar hoffen. Erhältlich ist der liebevolle Dokumentarfilm inzwischen nicht nur als VHS Kassette in deutscher und in englischer Sprache, aber auch als DVD. Auch das Poster zum Film ist Online bestellbar. Der Soundtrackwurde bei der Echoverleihung 2000 als "Jazz des Jahres" ausgezeichnet, die Musiker um Ry Cooder ehrte man als "Internationale Gruppe des Jahres". Das Britische Tumi-Label hat Ende Januar 2000 eine CD der Stars des Buena Vista Social Club Films mit dem Titel 21st Century: When Life Begins veröffentlicht. 

Bei uns kommt der neue Woody Allen Film Sweet and Lowdown erst am 30.03.2000 in die Kinos, in den USA wird der Film über einen fiktiven  Jazzmusiker bereits als einer der besten Allen-Filme seit Jahren gefeiert. Sean Penn spielt den fiktiven Jazzgitarristen Emmet Ray, der seinem großen Vorbild Django Reinhardt nacheifert. Die Solos wurden von Howard Alden eingespielt, an der Rhythmusgitarre ist Bucky Pizzarelli zu hören. 

In diesem Zusammenhang ist auch der Dokumentarfilm Wild Man Blues erwähnenswert, der von der Oskar-Preisträgerin Barbara Kopple 1998 gedreht wurde, die Woody Allens  siebenköpfige Band auf ihrer Westeuropa-Tour begeleitete. Gespielt wird Jazz im New Orleans-Stil. Wer allerdings hofft, Woody Allenmutiert an der Klarinette zum "Wild Man", der täuscht sich. Trotzdem lohnt es sich, in den Soundtrack reinzuhören. 

Anfang Juni hat bei uns die Komödie Three to Tango Premiere, in dem Neve Campbell zu sehen ist, die bei uns durch die Familienserie Party of Five bekannt ist. Zum Soundtrack gehören Aufnahmen des Brian Setzer Orchestra, der Cherry Poppin' Daddies und von Big Bad Vooodoo Daddy, doch der Retro-Swing ist für Jazzpuristen mit Vorsicht zu genießen. Einige Hörbeispiele sind bereits bei Amazon.com abrufbar. 

Mit Spannung dürfen wie außerdem die für das Jahr 2000 angekündigte Dokumentation mit dem Titel Jazz von Ken Burns erwarten, der zuletzt mit seiner Dokumentation über den Architekten Frank Lloyd Wright Kritiker und Publikum begeisterte. 

Some places in Kansas City never closed.
You could be sleeping one morning at 6 a.m.,
and a traveling band would come
into town for a few hours,
and they would wake you up
to make a couple of hours' session
with them until eight in the morning.
You never knew what time
in the morning someone would knock
on the door and say
they were jamming down the street.
Jo Jones
Man mag von Robert Altman Film Kansas City (1996) , der in der Jazzszene im Jahr 1934 spielt, halten, was man will. Der von Hal Wilner produzierte Soundtrack zu Kansas City , von 21 heutigen Jazzgrößen wie beispielsweise David Newman, Nicholas Payton und Joshua Redman im Stil der Dreißiger eingespielt, gehört zum Besten was uns die Beziehung zwischen Jazz und Film bislang beschert hat. Fast zeitgleich erschien auch Altmans Dokumentation Jazz '34 (1996), die im Original von Harry Belafonte kommentiert wird, und der auf dem São Paulo International Film Festival 1997 als beste Dokumentation ausgezeichnet wurde. 

Der zweite "große" Film der letzten zehn Jahre ist Mo' Better Blues von Spike Lee, der 1990 entstand. Denzel Washington spielt überzeugend den nach Perfektion strebenden Jazzmusiker, der mit den Widrigkeiten des Lebens zu kämpfen hat. Der einfühlsame Soundtrack stammt von Branford Marsalis. 

Für das amerikanische Fernsehen wurde 1993 der Film Lush Life mit Jeff Goldblum und Forest Whitaker produziert. Erzählt wird die Geschichte von zwei befreundeten Musikern, die sich ihr Geld mit Gigs in den Nachtclubs New Yorks verdienen. Für den Soundtrack war Lennie Niehaus verantwortlich, als Musiker waren Bob Cooper und Cjuck Findlay mit von der Partie. Doch zurück zu Forest Whitaker: Ja, er war derjenige, der 1988 in dem Film Bird, unter der Regie von Clint Eastwood , die Rolle von Charlie Parker gespielt hat. 

Der australische Film Dingo von 1992 erzählt die Geschichte eines Dingo-Jägers, der in seiner Freizeit als Trompeter im australischen Outback Trompete spielt, sich dann aber auf den Weg zu einem Jazzclub in Paris macht, um dort sein Idol Billy Cross (gespielt von Miles Davis!) zu treffen. In Deutschland ist das Video allerdings leider nicht erhältlich, in den USA wird es nur im NTSC Format angeboten

Doch es gab in den Neunzigern aber auch einige Filme, die thematisch nichts mit Jazz zu tun hatten, im Soundtrack aber dem Jazz in eindrucksvoller Weise verbunden sind: 

1993 erschien der Krimi Romeo is Bleeding in den amerikanischen Kinos. Für den Soundtrack, der die mysteriöse Atmosphäre des Films eindruchsvoll widerspiegelt, war Mark Isham verantwortlich. Seine eigenen Nummern werden ergänzt durch Titel von Abbey Lincoln, Stan Getz und AJ Croce. Derzeit ist der Sountrack allerdings leider vergriffen. 

Schon einmal etwas von dem Film Caught aus dem Jahr 1996 gehört? Nein? Dann haben Sie etwas verpaßt. Der Trompeter Chris Botti macht die Leidenschaft, die den Film ausmacht, auch im Soundtrack spürbar. Eine CD für verführerische Abende. 

Ein schöner Sonntagmorgen-Wohlfühl-Soundtrack gehört zu Sleepless In Seattle, der mit Liedern wie "As Time Goes By", "Makin' Whoopee" und "An Affair To Remember" gute Laune verbreitet. In die gleiche Kategorie fällt auch der von Harry Connick Jr. eingespielte Soundtrack zu When Harry Met Sally.

Der Jazzliebhaber Clint Eastwood hat dafür gesorgt, dass seine Produktion The Bridges Of Madison County durch einen exzellenten Soundtrack mit  Dinah Washington, Johnny Hartman, Irene Kral und Barbara Lewis veredelt wurde. Der enorme Erfolg des Soundtracks sorgte dafür, dass Eastwood auch noch einen zweiten Soundtrack mit dem Titel Remembering Madison County produzierte, der Titel von Ahmad Jamal und Johnny Hartman enthält. 

Just don't give up trying to do
what you really want to do.
 Where there's love and inspiration,
I don't think you can go wrong.
Ella Fitzgerald
Einen Film vergessen? Unsinn geschrieben?
Oder hat der Streifzug Spaß gemacht?
Ich freue mich immer über Ihre Meinungen und Kommentare.
 Sylke Merbold
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